Jäger und Ehefrauen

Mein Waidmann

Seit einigen Monaten hat Gatterich sich auf seine alten Tage hin einen lang gehegten Wunsch erfüllt, trotz Coronakrise die Jagdschule online und real besucht und nach gesplittetem Anlauf die Prüfungen bestanden. Da stand er nun, der frisch gebackene Nimrod und wollte seinen ersten Teilchenbeschleuniger, sprich Gewehr, erstehen. Ich machte mir schon Gedanken, ob noch genügend Platz in der Kühltruhe ist, Hirsch und Schwein ist nicht klein.

Gatterich hatte ganz andere Gedanken: umgehört, informiert, nachgefragt und dann ausgesucht und beim Büchsenmacher vor Ort bestellt… kein Problem. Gewehr kommt demnächst, hieß es. Dann kam die Mitteilung, im Moment sind alle Bestellungen in Bearbeitung, jedoch der Nachschub bestimmter Komponenten verzögere sich.

„Macht nichts“, sagte Gatterich, „ich muß den Gewehrschrank noch bestellen und fest mit der Wand verbinden.“ Auch hier, dasselbe Prozedere und gut 2 Wochen später stand der Safe in Gewehrgröße im Hausflur. Selten sah ich Gatterich so flott sein Büro komplett umräumen, neu aufbauen, bis besagter Schrank mit den größten Schrauben und Dübeln, die ich jemals sah, fest mit unserem Haus verbunden war.

Ich vermute mal, sollte das hier irgendwann von Archäologen in kommenden Jahrtausenden wieder ausgebuddelt werden, wird staunend gefragt, wofür nur diese Bolzen in der Wand gedacht waren…könnten das Menschenopferrituale gewesen sein? Da absolut gerade in Nord-Süd Richtung angebracht, liegen hier Energierouten im Boden? Wurde das, dann natürlich nicht mehr vorhanden Haus, nach Lehren des Feng Shui ausgerichtet? Welcher Glaube kann dieses Bolzenmuster nur erklären? Ich bin ja versucht, künftigen Archäologen ein schriftliches Zeugnis zu hinterlassen, ganz einfach auf Papier mit Bleistift geschrieben. Hält Jahrtausende, anders als alle Daten auf Sticks, Magnetbändern oder in den Wolken.

Eine Nachricht an künftige Archäologen

Was, so erwärme ich mich für diesen aberwitzigen Gedanken, was würde ich so einem Forscher mitteilen? Einfach profan eine Skizze des Gewehrschranks mit dem Hinweis auf diebstahlsichere Verankerung? Ehrlich gesagt, welcher Forscher möchte so was Simples finden? Wo bleibt da der Glanz der Entdeckung? Ockhams Messer legt zwar immer die einfachste und nahe liegendste Lösung als die wahrscheinlichste nahe, doch damit gewinnt kein Forscher Aufmerksamkeit und Meriten.

Das war vor meiner Zeit so und ich könnte drauf wetten, das ist auch in kommenden Zeiten noch der Fall. Oder notiere ich eine Geschichte von Zeiten, als die Menschen vereinzelt noch in die Wälder gingen und ihre Nahrung selbst erlegten? Von Wölfen, Hirschen, wilden, gefährlichen Schweinen mit furchterregenden Hauern als Zähnen, vom Kampf der Gewalten? Vom Anhänger dieses Kults in diesem Haus? Dass hat doch schon mehr Phantasie.

Internationale Anerkennung historischer Funde

In meinen Gedanken sehe ich die leuchtenden Augen künftiger Forscher im Diskurs um die Deutungshoheit. Jetzt nimmt mein Hirn richtig Fahrt auf und ich entschließe mich, nicht nur Buchstaben, sondern auch noch Bildzeichen zu verwenden. Emojis sollen allgemein verständlich sein. Moderne Hieroglyphen, dazu etwas Schrift, schön in Schönschreibschrift (wann kam die eigentlich aus der Mode?) und meine Botschaft an künftige Generationen steht. Das Ganze gebe ich in einen Umschlag und versiegle ihn. Und dann gleich tags drauf gehe ich zu Gatterich und bitte ihn mit todernstem Gesicht, den Umschlag doch bitte im oberen Fach des Waffenschranks zu hinterlegen.

Ein Brief über Generationen hinweg

Allein diese Fragezeichen in seinen Augen waren den Spaß schon wert. Was taugt eine Ehe, wenn man sich nicht auch nach Jahrzehnten noch ein wenig auf den Arm nehmen kann, um es hinterher dann in „in den Arm“ umzuwandeln? Natürlich verrate ich nicht, was im Brief steht. Sollte ich vor Gatterich abtreten und er dann irgendwann auf den Brief stoßen und ihn öffnen, so liest er, was ich schrieb. Hoffentlich bringt es ihn dann noch einmal zum Lachen.

Geduld heißt die Devise

Das Gewehr kam schließlich 5 Monate später, zwischenzeitlich gabs keine Zielfernrohre. Angesichts des Kriegs in der Ukraine waren die Nachfragen in den USA so hoch, da blieb nichts für den hiesigen Waidmann. Warten will geübt werden, das ist unbestritten die erste Weisheit für Jäger auf dem Ansitz.

Den Brief hat Gatterich inzwischen wohl vergessen, der liegt unter den Patronenschachteln. Und einen Hirsch, einen Bock oder ein Schwein hat er auch noch nicht geschossen, dafür ist aber jetzt Platz in der Truhe. (Wer mal das eine oder andere Rezept zu Wild sucht, bitte im Blog unter Rezepten schauen!)
So wünsche ich meinem Gatterich nun Waidmanns Heil! und klapper mit den Töpfen.

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