Das Meer hat ihn in einen Garten gesperrt

Ein alter Mann, Celestino, kehrt in das Haus seiner Vorfahren am Fluss Douro in Nordportugal zurück, er verwandelt dort einen geerbten verwilderten Garten in ein Schmuckstück, nur ein Padre und ein paar Kinder leisten ihm ab und zu Gesellschaft.

Viel mehr geschieht eigentlich nicht in dem nur 125 Seiten starken Roman „Im Auge der Pflanzen“ der 1982 in der angolanischen Hauptstadt Luanda geborenen Schriftstellerin Djaimilia Pereira de Almeida. Und doch wird der Leser gefesselt, denn das Leben der Pflanzen gerät in Wechselwirkung mit dem Leben Celestinos, des alten Piraten, der nicht nur Kapitän, sondern auch ein vielfacher Mörder war, mit den Toten, mit seinen Erinnerungen.

Es sind nicht nur die Augen der Pflanzen, die ihn begleiten. „Ihnen war es egal, ob ein Mörder sich um sie kümmerte, ob die Hände, die sie hielten, schmutzig waren, und was vor der Liebe war, die er ihnen schenkte.“ Es sind die Augen des unerschrockenen Seemanns, des Pfarrers, der abergläubischen Nachbarn, der Kinder, des alten Hauses, das auch für die Menschen steht, die darin gelebt haben, die Augen der Opfer, der alten Sklavin, des holländischen Mädchens. In der Vorstellung des Alten werden sie lebendig, sind an seiner Seite, werden wieder Teil seines Lebens. „Das Blut … fand im Garten sein Gegenbild in Form einer jeden Pflanze“. Und irgendwann ging der alte Pirat aus der Welt, eins geworden mit seinem Garten.

Der Reichtum der Sprache von Pereira de Almeida liegt in ihrer Einfachheit, aus den kleinen Momenten im Leben des gärtnernden Celestino macht sie außergewöhnliche. „Im Auge der Pflanzen“ ist das fünfte Buch der portugiesischsprachigen Autorin. Eindrucksvoll hat Barbara Mesquita, eine Expertin für die Literatur des lusofonen Afrika, den Roman ins Deutsche übertragen.

Pereira de Almeida, Djaimilia: Im Auge der Pflanzen. Unionsverlag 2022

Cover Almeida

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