Befreite Füße

Die Fortsetzung von „Glücksgefühle ohne Schuhe

Heute kommt noch einmal Kirsten Kohlhaw, das Barfuß-Fangirl zu Wort. Kirsten ist eingeschworene Barfußläuferin und gibt uns diese Woche noch so manche Gedanken und Anregungen mit auf dem Weg. Daher, zieht einfach die Schuhe mal aus und gebt euren Füßen eine, zwei oder vielleicht sogar drei Stündchen Freiheit. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und Erleben.

Kirsten schreibt:

Was macht Barfußlaufen in bewaldeter Umgebung zu einem wahren Jackpot für Sohle und Seele?

In unseren modernen Städten herrscht die Meinung vor, öffentliches Barfußlaufen sei nur etwas für Exoten. Die meisten Menschen, selbst in ländlichen Regionen, gehen – wenn überhaupt – nur im eigenen Garten oder in den eigenen vier Wänden ohne Schuhe. Verständlich. Meist hasten wir in unserem übervollen Alltag ja durch (bar)fußfeindliches Gebiet. Wo Kaugummis, Hundekot und zerbrochene Bierflaschen die Wege säumen und motorisierte Fahrzeuge dominieren, lässt sich nicht entspannt ausschreiten. Von entschleunigtem und bewusstem Gehen mal ganz angesehen.

Unser Leben war nicht immer so barfußfeindlich. Früher war Barfußlaufen ganz normal. Oder wir schützten unsere Füße mithilfe von Ledersohlen (die Vorläufer der Sandale) vor piksigen Untergründen. Zwar schützten die Ledersohlen nicht vor nassen Füßen, aber sie hatten gesundheitlich betrachtet einen anderen Vorteil. Im Gegensatz zu Plastik und anderen wasserdichten Materialien ist das Naturmaterial leitfähig.

Was Leitfähigkeit damit zu tun hat? Es gibt ein Phänomen namens Earthing oder Grounding, das zellulären Alterungsprozessen entgegenwirkt. Was sich dahinter verbirgt und wie das funktioniert? 

Unsere Lebenserwartung ist im Laufe des letzten Jahrhunderts immer weiter gestiegen, gleichzeitig nehmen Zivilisationskrankheiten und vorzeitige Zell-Alterungsprozesse immer weiter zu. Viele davon hängen mit dem vermehrten Vorhandensein von „Freien Radikalen“ zusammen, für die wir in unserer modernen Gesellschaft kein Ventil haben. Zellen, die, salopp gesagt, „frei drehen“, weil sie sich aufgrund ungeregelter Stoffwechselprozesse, die wiederum durch Stress, schlechte Luft und unausgewogene Ernährung begünstigt werden, nicht so teilen wie sie sollen.

Die Erde ist voller freier negativ geladener Elektronen. Das ist vergleichbar mit dem Minus-Pol einer Batterie. Hat man nun einen direkten und vor allem elektrisch leitfähigen Kontakt zur Erde, kann der Körper die so heilsamen freien Elektronen der Erde aufnehmen. Das bedeutet einfach, dass die Erde für uns die Lösung gegen freie Radikale bereithält: Sie versorgt unsere Körper beim Barfußlaufen mit einer Vielzahl an ungebundenen Elektronen. Die freien Radikale können sich nun an diesen Elektronen bedienen, ohne unsere Zellen zu beschädigen und werden dadurch neutralisiert, also unschädlich gemacht.

Und wenn ich das regelmäßig mache, freut sich mein ganzer Organismus. Tata! Nicht mehr und nicht weniger ist Earthing oder Grounding. Dass durch die Stimulation der verschiedenen Untergründe generell die Durchblutung angeregt wird und wir in der Natur mehr Sauerstoff aufnehmen, kommt natürlich noch dazu.

Wälder sind also wirklich gute Orte, sich mit der Natur zu verbinden und den Alltagsstress hinter sich zu lassen. Auch wenn wir Bäume nicht umarmen – und selbst das kann man im Barfußpark einfach so tun – sorgt das Vorhandensein der Waldriesen, und vor allem durch Kohlenwasserstoffe, oder auch Terpene, die durch Vorhandensein in Baumharzen ausgestoßen werden, für gesundheitsförderliche Effekte. Regelmäßige Waldspaziergänge tun somit nicht nur der Lunge gut und senken den Blutdruck, sie fördern das allgemeine Wohlbefinden und glätten so manche sorgengefurchte Stirn.

Da die meisten von uns im Alltag eher an zu wenig Bewegung leiden, zahlt jeder Waldspaziergang auch positiv auf das Bewegungskonto ein. Und wenn wir das barfuß machen, verstärken wir diese Effekte um ein Vielfaches. Die ständig wechselnden Untergründe massieren die Fußsohlen, fördern die Durchblutung und schärfen die Sinne.

Nach einem Besuch um Barfußpark fühle ich mich immer angenehm entspannt und belebt und schlafe – auch das ist bemerkenswert – besonders gut.

Gute Gründe, die Schuhe so oft es geht im Schrank zu lassen

  • Barfußlaufen stärkt das Immunsystem, weil die wechselnden Reize das vegetative Nervensystem anregen, den Kreislauf regulieren, die Durchblutung fördern und das körpereigene Abwehrsystem anregen. Regelmäßiges Barfußlaufen kann auch vor lästigen Nagel- und Fußpilzerkrankungen schützen. Nach dem Barfuß-Vergnügen empfiehlt es sich, die Füße gut abzurubbeln, trocknen und warmhalten.
  • Barfußlaufen ist aktives Laufen. Es fördert die aufrechte Haltung, denn es kräftigt Bänder und Muskeln. Vorhandene Fuß-, Knie- und Rückenprobleme können sich mit der Zeit bessern. Wer im Zweifel ist, ob seine Sprunggelenke gesund sind, sollte mit seinem Arzt Rücksprache halten, Diabetiker sowieso.
  • Regelmäßiges Barfußlaufen verbessert die Balance und ist somit aktive Sturzprävention. Ohne Schuhe gehen wir knochen- und gelenkschonender. Wir setzen dem natürlichem Impuls folgend mit dem Vorderfuß auf und fangen so den Stoß ab. Umknicken ist so gut wie unmöglich, weil der Körper Unebenheiten unmittelbar gemerkt und sofort ausgleicht.
  • Barfußlaufen härtet die Füße ab. Durch die Stimulation mit spitzen Steinen Kiefernzapfen oder anderen Untergründen verdickt sich die Fettschicht unter der Oberhaut, was wiederum für ein geringeres Schmerzempfinden sorgt.
  • Gänzlich Ungeübte werden sich langsam herantasten ans Barfußlaufen und die jeweilige Dosis je nach individuellem Empfinden mit der Zeit erhöhen. Ein gutes Trainingsgerät sind auch Barfußschuhe, deren dünne Sohlen einen Vorgeschmack liefern dafür wie es ist, wieder elastisch fantastisch mit beiden Füßen auf der Erde zu stehen – und zu gehen.

Disclaimer
Die Autorin ist u.a. freie Mitarbeiterin des Barfußparks Beelitz (www.derbarfusspark.de). Ihre Eindrücke schildert das bekennende Barfuß-Fangirl, das seit frühester Kindheit jede Gelegenheit nutzt, um die Schuhe in die Ecke zu werfen und „unten ohne“ rumzulaufen, jedoch gänzlich unbeeinflusst und frei. Auszüge dieses Berichts sind auf dem Autoren-Reiseblog /sirenen-und-heuler.de erschienen.

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