Glücksgefühle ohne Schuhe

Die Fortsetzung von „Waschtag

Ein Gastbeitrag von Kirsten Kohlhaw, dem Barfuß-Fangirl. Kirsten ist eingeschworene Barfußläuferin und gibt uns diese Woche noch so manche Gedanken und Anregungen mit auf dem Weg. Daher, zieht einfach die Schuhe mal aus und gebt euren Füßen eine, zwei oder vielleicht sogar drei Stündchen Freiheit. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und Erleben.

Kirsten schreibt:

Wieso Barfußlaufen Spaß macht & gut tut

Mit „Freiheit für die Füße“ sind Beiträge überschrieben, die uns gute Gründe nennen, im Alltag mehr barfuß zu laufen. Oder ganz schlicht „Barfußlaufen ist gesund“. Versteht mich nicht falsch, ich finde es super, dass der gesundheitliche Aspekt des Barfußgehens so eine Renaissance erfährt. Immerhin ist die Menschheit ja nicht mit Schnürschuhen und Fußbett in den aufrechten Gang gestartet. Das Barfußlaufen ist also unsere natürlichste und gesündeste Art der Fortbewegung, unser Bewegungsapparat ist dafür bestens ausgerüstet. Dazu später gerne mehr dazu. Was mir bei den vielzähligen Artikeln in Gesundheitsfach- und Wellness Magazinen oft ein wenig zu kurz kommt, ist der Spaß, den es für Sohle und Seele machen kann, sich schuhbefreit zu bewegen.

Keine 30 Kilometer südöstlich von Berlin, in Beelitz-Heilstätten gibt es seit 2017 einen Ort, an dem ich meiner Freude am Barfußlaufen ungebremst nachgehe. Auf mehr als dreieinhalb Kilometern liebevoll gestalteten Barfußrouten gibt es 68 verschiedene Naturerlebnis-Stationen zu erkunden. Der Barfußpark erstreckt sich auf insgesamt 15 Hektar Fläche auf dem Gelände eines Gartendenkmals und ist damit der größte im Land Brandenburg. Das weitläufige Gelände einen Barfußpfad zu nennen, wäre also wirklich unpassend.

Das heute denkmalgeschützte Krankenhaus-Ensemble der Beelitzer Heilstätten wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Arbeiter-Lungenheilanstalt konzipiert, um die Krankheit der damaligen Zeit zu heilen: die Tuberkulose. Heute kann man hier tagsüber oder nach Feierabend Ausflugsgelüste stillen und dabei der Krankheit der heutigen Zeit entgegenwirken: dem Stress.

Jedes Mal anders barfuß | Immer wieder neu schön

Wenn viele Besucher im Barfußpark sind, hört man immer wieder zwischen den Bäumen heitere Stimmen und lautes Lachen. Es erinnert ein wenig an Pippi Langstrumpf oder andere Kinderbücher, in denen sich Erwachsene durch einen bestimmten Umstand in Kinder zurückverwandeln. Herrlich, wie Tante Heide kichernd, mit abgespreizten Armen über die Glasscherben stakst und der vorhin am Eingang noch ernst dreinblickende Herr jetzt mit geröteten Wangen auf der kleinen Waldorgel herumstampft und seinen Kopf in die Summsteine steckt. „Boah, ich hab Opa noch nie auf einem Baumstamm balancieren sehen.“ Höre ich. Und: „Krass, Oma springt tatsächlich so weit wie ein Eichhörnchen.“

Auch der Leiter der Finanzbuchhaltung macht auf der Slackline eine erstaunlich gute Figur, finden seine Kollegen, und das Team einer sozialen Einrichtung feuert sich spielerisch bei diversen Geschicklichkeitsstationen an. Im Kräutergarten küsst sich ein älteres Pärchen, einfach so, während ein jüngeres händchenhaltend über das Colakraut staunt. Und weiter hinten, an der Riesenschaukel, bringen sich die Gäste einer kleinen Geburtstagsgesellschaft nach dem Catering gerade wieder in Bewegung. Das kleine Baby, das beim Verstauen der Sachen an den Schränken noch gequengelt hatte, verschläft jetzt den ganzen Trubel so schön, dass Mama und Papa gleich nochmal grinsend eine Runde durch die verschiedenen Nassstationen laufen. Auch Matschepampe ist halt nicht nur was für Kinder.

So schön der Ort ist, um ihn mit einer Gruppe Herzensmenschen zu besuchen, ich persönlich komme immer wieder auch sehr gern unter der Woche her, wenn weniger los ist als am Wochenende. Dann spüre ich ganz in Ruhe meinen eigenen Schritten nach und bestaune die Licht- und Schattenspiele zwischen den baumbestandenen Barfußrouten. Manchmal bringe ich mir eine kleine Klappstulle und ein Stück Obst mit und hocke mich damit aufs ausgewiesene Picknick Areal, und an manchen Tagen probiere ich, was es im Café oder im Waldemar’s Inn wieder Leckeres gibt.

An heißen Sommertagen sorgt der bewaldete Barfußpark für angenehme Abkühlung, und auch an Tagen, die etwas bewölkter sind, zu Beginn oder gegen Ende der Saison, ist das Gehen auf dem Gemisch aus Kokopeat und Rindenmulch sehr angenehm, weil die Durchblutung durch die Stimulation der blanken Füße gesteigert für einen ohnehin Wärmeeffekt sorgt.

Da Kirsten noch jede Menge interessanter und spannender Gedanken und Infos zum Barfußlaufen und zum Barfußpark aufgeschrieben hat, geht es an dieser Stelle nächste Woche weiter. Freut Euch auf die Fortsetzung in Teil 2, mit top Tipps für Sohle und Seele.

Disclaimer
Die Autorin ist u.a. freie Mitarbeiterin des Barfußparks Beelitz (www.derbarfusspark.de). Ihre Eindrücke schildert das bekennende Barfuß-Fangirl, das seit frühester Kindheit jede Gelegenheit nutzt, um die Schuhe in die Ecke zu werfen und „unten ohne“ rumzulaufen, jedoch gänzlich unbeeinflusst und frei. Auszüge dieses Berichts sind auf dem Autoren-Reiseblog /sirenen-und-heuler.de erschienen.

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