„Es gibt nichts Sinnloseres und Dümmeres als Diäten.“

Manako Kajii ist eine Frau, die das Leben liebt, den Genuss, die älteren Männer, die sie verwöhnt, um sich selbst zu verwöhnen. Sie entspricht nicht dem japanischen Frauenideal. „In Kajii lodert eine Energie, die sich als das Feuer des Lebens bezeichnen lässt.“ Sie ist weder schlank noch leidensfähig noch fleißig, nimmt sich vom Leben, was sie will. Am liebsten Butter. Ihr Aufenthaltsort: das Gefängnis. Drei ihrer Liebhaber sind auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen.

Das reizt die Journalistin Rika Machida, sie bemüht sich um einen Besuch im Gefängnis, will, während das Berufungsverfahren läuft, ein exklusives Interview. Mit ihrer Frage nach einem Rezept für einen Rinderschmortopf findet sie Zugang und gerät in den Bann der meisterlichen, Butter liebenden Köchin. Oder ist es eher umgekehrt, wer beeinflusst hier wen? Welche Veränderungen vollziehen sich bei Rika, wenn sie sich auf die biografischen und kulinarischen Spuren der Gefängnisinsassin begibt, wenn sie Genuss nach deren Anleitung erlebt – und acht Kilo zulegt. Übrigens werden einige der Rezepte im Roman verraten.

Die Beziehung der beiden Frauen ist spannend erzählt und gewinnt an Dramatik, sie reflektiert sich in dem Verhältnis zu Freunden und Kollegen, von denen Reiko, die ihren Job als PR-Managerin aufgegeben hat, um Ehefrau und Mutter zu sein, eine besondere, zunächst verborgene Rolle spielt und schließlich selbst in Gefahr gerät. Der Leser wird Genusserlebnisse nachvollziehen, einen Kriminalfall ergründen, vor allem aber ein sehr detailreiches intimes Bild der heutigen japanischen Gesellschaft kennenlernen.

Die 40jährige Autorin Asako Yuzuki zeigt, wie es nach Emanzipation strebenden Frauen in dieser Gesellschaft ergeht, die es satthaben „ihr Leben mit der Frage zuzubringen, wie andere Leute sie sahen“.“ Butter“ ist ein Roman über Einsamkeit. Indem Rika den Kern von Manako Kajii ergründet, lernt sie auf bittere Weise, diese Einsamkeit zu überwinden.

Yuzuki, Asako: Butter. Blumenbar, eine Marke der Aufbau Verlage, Berlin 2022.

Foto: Aufbau Verlage, Berlin

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