Die Prignitz: Ein Rad- und Wanderparadies zwischen Elbe und Müritz

Auf den ersten Blick bietet die Prignitz eine weite unverbaute Landschaft, intakte Natur und jede Menge Zeugen der Geschichte. Wer genauer hinschaut, dem fällt auf, dass im Nordwesten Brandenburgs, ziemlich genau zwischen den Metropolen Hamburg und Berlin, eine interessante Region zu entdecken ist. Das Vier-Länder-Eck (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen) hat seinen eigenen, herben Charme, dessen ländliche Idylle, die Weite des Himmels und die Ruhe die Freude an der Einfachheit des Landlebens weckt.

Wie ein Band durchzieht die Elbe die Landschaft. Deutschlands drittgrößter Strom ist Symbolfluss für die deutsche Teilung und Teil des „Grünen Bandes“. Seit Beginn des Jahrtausends steht die Landschaft an der ehemaligen innerdeutschen Grenze unter besonderem Schutz, denn der einstige Mauerstreifen ist Rückzugsraum für bedrohte Tiere und Pflanzen und soll schonend als Naturerlebnisraum entwickelt werden. Die Bemühungen des Landes Brandenburg, den Abschnitt des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument auszuweisen, ziehen sich nun schon über Jahre hin. Bleibt die Hoffnung, dass aus den Absichtserklärungen Taten werden.

Wer zu Fuß oder per Rad in der Prignitz unterwegs ist, kann den besonderen Lebensraum für Mensch und Natur in vollen Zügen genießen. Als Ausgangspunkte empfehlen sich Wittenberge – Haltepunkt des ICE Berlin-Hamburg und der Regionalbahn – oder die schmucke kleine Stadt Lenzen mit ihrer denkmalgeschützten Altstadt, deren Silhouette die Burg mit dem trutzigen Rundturm bestimmt. Im Besucherzentrum auf der Burg gibt’s jede Menge Tipps für Rad- und Wandertouren, die besten Beobachtungsplätze in der Natur, Informationen zur Landschaft und zu den Sehenswürdigkeiten am Wegesrand. Die thematischen Touren führen durch verträumte Dörfer, zu alten Land- und Gutshäusern, zu romantischen Schlössern und sagenumwobenen Steinen, zu Museen und Industriedenkmälern, Kirchen und Klöstern, durch Auenwälder, parkartige Weidelandschaften und immer wieder entlang der Elbe.

Unterwegs im Biosphärenreservat

Vor 25 Jahren erklärte die UNESCO die Landschaft zum schützenswerten Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg, eine der letzten naturnahen Stromlandschaften Mitteleuropas. Der internationale Elberadweg verläuft hier größtenteils auf dem gut ausgebauten Deich. Steigungen gibt es nicht, dafür immer wieder großartige Panoramablicke auf den Fluss und die Auenlandschaft an den Ufern. Einfach mal stoppen und der Natur lauschen. Und meist kommt dann auch Meister Adebar vorbei, denn die Störche fühlen sich hier pudelwohl. Zu sehen ist das besonders gut im Storchendorf Rühstädt südlich von Wittenberge. Nirgendwo in Deutschland brüten so viele Störche wie in dieser Prignitzer Backsteinidylle. Über 30 Storchenpaare beziehen alljährlich Quartier in Rühstädt und lassen die Besucher*innen in ihr Familienleben blicken. In den Feuchtwiesen der Elbtalaue finden die Störche reichlich Nahrung.

Wer sich für eine individuelle Tour durch die Prignitz entscheidet, merkt schnell, dass die „Knotenpunktwegweisung“ made in Prignitz äußerst hilfreich ist. Es ist so eine Art „Radeln nach Zahlen“: Jeder Kreuzung von mindestens drei Radwegen ist eine Nummer zugeordnet. Diese thront deutlich sichtbar auf dem Kopf des Wegweisers. An jedem Knotenpunktwegweiser findet sich zudem eine übersichtlicher Kartenausschnitt. Mittlerweile sind auf dem über 1.100 Kilometern ausgewiesenem Radwegenetz in der Prignitz über 130 Knotenpunkte installiert.

In den Küchen der Prignitz wird im Rhythmus der Jahreszeiten gekocht. Auf den Teller kommen Wildgerichte, heimischer Fisch oder frisches Gemüse direkt von den Feldern. Das „Nationalgericht“ der Prignitz ist der Knieperkohl, ein dem Sauerkraut ähnliches Gemüse, das aus Weißkohl, blauem Markstammkohl (oder Blättern von Rotkohl), Grünkohl, Wein- und Kirschblättern besteht. Dazu wird meist gepökeltes oder geräuchertes Eisbein, Kohlwurst (Lungenwurst), Knacker oder Kasselerkamm serviert. Wer einen empfindlichen Magen und/oder Darm hat, sollte den Knieperkohl (der Name verrät es ja schon) erst mal zurückhaltend probieren …

Noch mehr Informationen und Anregungen unter:
www.dieprignitz.de
www.elbe-brandenburg-biosphaerenreservat.de

Fotos: Marktgeplapper / Johanna

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