Der Scheidungshahn

Sie waren in die Jahre gekommen, wie es so landläufig heißt.

Anfangs war es heisse Leidenschaft, wilde Träume und unstillbare Sehnsucht nach einander, nach einem Leben miteinander und nach einer gemeinsamen Erfüllung. Sie zogen auf einen alten Hof und gingen mit Enthusiasmus an ihre Liebe, ihr Leben und die Renovierung. Die Tage erschienen immer zu kurz, das Jahr zu schnell vorbei und die Erschöpfung schlich sich Jahr um Jahr kaum merkbar ein. Irgendwann erlahmte Jahr um Jahr ein wenig mehr die Leidenschaft und abends war es nur noch wohltuend, die Füße hoch zu legen. Der Hof war belebt und aus der idyllischen Oase ein knallharter Job geworden, neben allem anderen.

Tiere kennen keinen Urlaub, Futter musste jeden Tag gegeben, die Ställe gesäubert, der Garten bestellt werden. Und so ging, im erlöschenden Funken ihres Ideals leise und unbemerkt erst die Leidenschaft, dann die Liebe verloren und eines Tages wurde Haus und Hof, wurden ihre Leben wieder geteilt.

Er nahm den Sessel und die Stühle, sie die Kommode, Vorhänge und die alte Wanduhr. Am Ende ihres langen Wegs waren nur noch die Hühner und fünf Hähne übrig und das dumpfe Gefühl, etwas Wertvolles irgendwann verloren zu haben. Doch das Gackervieh, ihre erste gemeinsame Anschaffung als neugebackene Landbewohner wollten beide nicht. Er wollte wieder frei und ungebunden sein, sie haderte zunächst mit sich, aber eine Etagenwohnung hat keinen Raum für Hühner und Hähne. Nostalgie, Tränen und Stolz halfen nichts, am Ende zog die Hühnerschar um, zu befreundeten „Landbewohnern“ am Rande der Hauptstadt.

Für alle, Mensch und Federvieh könnte hier ein Happy End stehen, sie bleiben Freunde, die Hühner legen ihre Eier, die Hähne stolzieren über den neuen Hof.

Allein, es fehlte dem Federvieh der Blick für ihre neue Lage und den beiden der nötige Abstand zur Scheidung. Die Hühner machten ab dem ersten Licht am Morgen ein lautes Spektakel, die Hähne mischten den neuen Hof kräftig auf. Getrennte Bereiche für altes und neues Federvieh, nichts half. Die Neuen konnten, wollten sich nicht eingewöhnen.
Doch so ist es im Leben, wie schon die Alten sagten… “Hühner die gackern und Hähne die krähen, soll man beizeiten die Hälse umdrehen“…

So kam es wie gesagt und kurze Zeit später fanden sich die Scheidungshähne und besagte Hühner im Kühlschrank frisch gerupft wieder. Einer der Hähne landete im Tausch gegen frische Augustäpfel Tags drauf bei der Nachbarin.

So ein mageres Hähnchen ging es ihr durch den Kopf, was kann das nur werden… Und so landete der magere Hahn im Suppentopf, wurde zu Suppe und Geflügelsalat und erfreute letztendlich sechs Leute und zwei Hunde mit einer leckeren Mahlzeit. So kann’s gehen, für langatmige Sentimentalität ist im realen Landalltag nur selten Raum. Damit der Scheidungshahn aber nicht nur so gegangen ist anbei die Rezepte seiner Zubereitung.

1. Hahn kochen

Geflügel gut unter kaltem Wasser waschen, Innereien heraus nehmen oder, wer mag, kocht sie separat mit.
Federvieh mit kaltem Wasser aufsetzen, zur Hälfte bedeckt.

Zum Wasser dazu geben:

  • 2 große, klein geschnittene Zwiebeln
  • 1 Stück frischen Ingwer, in Scheiben
  • Gewürze: Salz, Pfeffer, Paprika, getrockneten Beifuß, etwas Knoblauch
  • 2 Esslöffel Zitronenöl, da der Hahn so mager war…alles nach Geschmack.

Hahn und Zutaten solange kochen, bis sich das Fleisch leicht vom Knochen lösen lässt.
Während der Hahn köchelt, Zucchini klein schneiden.
Hahn aus dem Sud nehmen und zur Seite legen.

2. Zucchinicremesuppe

Zucchini zur Suppe geben und weich darin kochen. Anschließend alles durchpassieren oder mit dem Zaubermixer pürieren. Zum Andicken gekochte, zerstampfte Kartoffeln dazu geben oder, wenn’s schnell gehen soll, Kartoffelpüree aus der Tüte. Natürlich geht auch Speisestärke, wer keine Kartoffeln möchte. Die Suppe abschmecken mit etwas Sahne und frischem Dill.

3. Geflügelsalat
Das Fleisch vom Knochen lösen und in mundgerechte Stücke schneiden
(die Haut mögen wir gekocht nicht, Knorpel und sonstige Reste dazu, alles ohne Knochen natürlich, und die Wuffs waren begeistert)

Für die Salatsoße:

  • 3-4 Esslöffel Joghurt Natur
  • 3-4 Esslöffel Majonaise
  • 1 Esslöffel mittelscharfer Senf
  • etwas Salz, Pfeffer nach Geschmack
  • Ggf. etwas Annanassaft, falls die Soße zu dick ist
  • alles miteinander verrühren, über das Fleisch geben

Salat anrichten:

  • 1 Dose Annanas, geschnitten
  • 1 Dose Mandarinen
  • beides abtropfen, zum Fleisch geben
  • 1/2 Stück ( ca. 150 g) würziger Bergkäse, klein gewürfelt
  • 3 Frühlingszwiebeln in feine Ringe geschnitten
  • Käsewürfel , Zwiebelringe zum Fleisch geben, unterheben, den Salat 1-2 Stunden kalt stellen, durchziehen lassen, dann ggf. nochmals mit Salz/ Pfeffer abschmecken.

Dazu passt wunderbar frisches Baguette und ein leichter Weißwein.

Fotos: Dr. Birger Hahnemann

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