Der Lakenfelder Hahn

Schönheit siegt oder anders gesagt, dieser Lakenfelder Junghahn hatte so ein Glück und entkam über Jahre dem Brattopf.

Er schlüpfte bei den Hühnern einer Verwandten aus dem Ei, eine meiner zahlreichen Cousinen, eigentlich meine Lieblingscousine, die ein ganz besonderer Mensch ist. Sie kommt mit unsereins gut klar, besser noch mit Kleinkindern, aber phänomenal mit Tieren.

Wie auch immer sie das anstellt, die Viecher bleiben alle bei ihr, ob Tor auf oder nicht, sie machen, was sie sagt und wenn mich jetzt auch alle für bescheuert halten, ich hab den Eindruck, die Tiere reden mit ihr. Dr. Dolittle ist nix dagegen.

Werde nie vergessen, als wir so Anfang Pubertät waren und mit der Welt haderten und sie mir ihre Tiernummer zeigte. Da hatte sie neben einem Shettlandhengst, der wie ein Hund neben ihr lief, egal wohin, einen Mischlingshund und eine Katze.

Hund Bella wurde mal eben zur Vorführung mit der Schnauze zur Wand gestellt, dann sagte sie „ Bella wir spielen Verstecken, du wartest bist du dran bist“. Dann lief Cousine einen Zickzackkurs über den großen Hof und stellte sich hinter einen Baum, rief „ Bella, jetzt“! Der Wuff stand die ganze Zeit regungslos vor der Wand, drehte sich nun um und lief dann genau Zickzack bis vor den Baum. Sagt Cousine „ nee, noch nicht finden“ und der Hund dreht um, läuft kreuz und quer und kommt dann wieder, um bellend Cousine zu finden. Gut dachte ich, klasse Nummer… mein Cockerspaniel kommt maximal fürs Fressen….

Da rief Cousine ihre Katze, die von irgendwo herkam und das Spiel wiederholte sich 1:1 nochmal, also vor die Wand, Kopf abgewandt, warten, suchen…. ab hier hatte ich große Augen und sah Cousine im neuen Licht.

Dann wurden wir unaufhaltsam älter, drifteten räumlich ganze Continente auseinander, der Kontakt brach ab. Bis vor ein paar Jahren. Und hier kommt der Hahn ins Spiel. Cousine betreute inzwischen tagsüber Kleinkinder auf ihrem ehemaligen Bauernhof, samt dressierten Tieren, ob Pony, Vollblutstute, Schafe, Ziege, Hund und Katz, Kanninchen oder eben Hühner.

Und dann natürlich sowas Hübsches wie diese Lakenfelder Hühner. Besagter Hahn war noch nicht allzu lang aus dem Ei, zeigte aber bereits enorme Auffassungsgabe und erste Kunststücke, folgte bei Fuß. Leider war er so davon überzeugt, ein ganz besonderer Hahn zu sein, das er sich schon früh an den Hennen üben wollte, was dem Hofhahn, einem wirklich gestandenen Exemplar schwer missfiel.

Allabendlich saß der Junghahn im Apfelbaum, der alte Hahn lief drum herum und die Hühner gackerten vor Aufregung, bis Cousine kam und alle der Reihe nach mit Ansage ins Hühnerhaus abtreten ließ. Also musste über kurz oder lang eine Lösung her, ihr Hof war für zwei Egomanen, sprich Hähne, einfach zu klein… und der Kochtopf keine Alternative für so ein Talent…und da kam ich ins Spiel.

Meine eine Nachbarin hier hatten auch Hühner und ihr alter Hahn, der bei jeder Gelegenheit schmerzhaft ihre Waden anpickte, war nun „ zufällig“ gut knusprig den Weg allen Irdischen gegangen, als sich herumsprach, das ein fescher, talentierter Junghahn eine neue Wirkungsstätte suchte. Und somit bot sich ein neues Heim für unseren Lakenfelder.

Kaum war er nach weiter Reise (400 km) hier, nahm er den gesamten Hühnerhof kurzfristig in Beschlag und regierte unangefochten. Er war ein unerschrockener Hahn und wehe der Katze oder sonstigen Eindringlingen, der Lakenfelder war ein wahrer Held der Hühnerschar. So hatte er noch ein paar gute Jahre mit zahlreichen Hennen.

Der alte Lakenfelder bei Cousine allerdings zog bei einer nächtlichen Visite des Fuchses den Kürzeren, wie leider auch die paar Hühner seines Mini-Harems. Wie es manchmal so kommt…

Foto: Dr. Birger Hahnemann

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