Birnenblüte

Jetzt blühen endlich die Birnen und ein zarter Duft schwebt ab und an auf der Terrasse in meine Nase.

Die Birne dort direkt an der Terrasse ist uralt, hat weitgehend alte, vertrocknete Äste und einen auch schon in die Jahre gekommener Wildaustrieb, der zwar keine essbaren Birnen trägt, aber den heiss begehrten Schatten spendet. Und dennoch, immer mal wieder treibt die alte Birne aus und es gibt im Spätsommer mindestens 2-3 Eimer voll Birnen.

Leider weiß keiner hier wie die alte Sorte heisst, schon der Vorbesitzer kannte sie nur als großen alten Baum, aber egal, sie schmecken super. Nur wenige Wochen lagerfähig stehen zur Ernte immer frische Früchte auf dem Tisch, es gibt einen Kuchen, Birnen in Weißwein gegart als Beilage zum Wild gefüllt mit Preisselbeeren oder Johannisbeermus und wenn sie quasi kurz vor zu reif sind bieten sie ein köstliches volles Aroma für ein süß-würziges Birnenchutney.

Bis dahin dauerte es ja noch etwas und ich wollte heute eigentlich von meinem Naturgartenprojekt hier erzählen:

Mein Garten hat gut 3000 qm und von trockenem heißen Sand in reiner Südlage bis schattig und Tümpel mit Frosch ist alles dabei. Es darf hier wachsen. Sehr zur Anhebung des Gemütszustands (der Engländer spricht wohl gelegentlich von „spitting  mad“) des einen oder anderen Nachbarn wächst hier was wächst, wird kaum was gezupft. Kulturpflanzen, Gräser und einheimisches Kraut arrangieren sich recht gut im Beet und auf der Fläche, die mal ein rein grüner Rasen war.  Ab und an wird ein Teil dieses Wiesenrasens gemäht, hier und da was gezupft, damit Angepflanztes eine Chance bekommt. Ich denke, jeder der das hier liest, hat ein Bild im Kopf.

Nun, das Gras stand gut kniehoch, wie gesagt, die Birne blühte, das erste Mal dieses Jahr musste der Rasentrecker aus dem Unterstand. Also, durchs Gras laufen und suchen, was Hund und Co. ( Co., das bin ich) so liegen gelassen haben, wie Schläuche, Grabgabeln, Handschuhe, Spielsachen.. oder das Hirschgeweih.

Nein, Gatterich wurde kein Geweih aufgesetzt. Ein Freund brachte, da Jäger, ein Stück Geweih für die Wuffs mit. Sie lieben es und es wird überall mit hingenommen, dran kauen muss für Caniden so sein wie ein Eis am Stil für uns Hominiden…also, Gras absuchen.

Nach allgemeinem Konsens „alles gefunden“ tuckerte der Rasentrecker mit einem zur Gartenarbeit verdonnertem Kindi los. Wie sagte Gatterich: „wir machen das hier heute als Familie, du mähst, wir machen den Rest“. Ob Kindis Gesichtsausdruck bei der Ansage fragte er sich sicher, ob er nicht vertauscht worden war im Krankenhaus, wo war bloß seine wahre Familie?

Kaum war ein Eckchen handbreit hoch von ihm abgemäht tat es plötzlich einen wirklich lauten Schlag, der Mäher heulte ein letztes Mal gequält auf, dann absolute Ruhe. Kein Vogellaut, kein Nachbar, nix! Nach der Schrecksekunde rasten Gatterich und ich los, hoffentlich ist Kindi nichts passiert und kamen völlig aus der Puste am Tatort an, starrten sprachlos aufs Geschehen.

Und da lag es dann, ein sauber der Länge nach durchschlagenes Geweihstück, besser hätte ich es für einen histologischen Schnitt auch nicht zersägen können. Wuffs fanden es super, soviel Geschmack auf ganzer Länge.  Ich fand die frei gelegte Wachstumsstruktur des Knochens höchst interessant und Kindi war sprachlos glücklich, sein Rasentrecker stumm, ein Antriebsriemen hing zerrissen herab.

Ein kurzer Blick in sein ewig präsentes Handy zeigte, den Riemen muss man wohl in den USA bestellen..das kann dauern!  Mindestens 4, wenn nicht 8 Wochen. Yeah!!!

Fazit: Trecker zurück im Unterstand, Kindi von Gartenarbeit durch höhere Gewalt befreit und verschwunden, bevor Gatterich andere Ideen kamen. Blieb Gatterich nur der alte Handmäher. Schließlich heißt es ja: selbst ist der Mann! Wer die nächsten Stunden lauter brummte, der Mäher oder Gatterich, ich vermag es nicht klar zu beurteilen. Eine Bekannte, die kurz vor dem Geweihschlag auf „nur eine kurze Frage“ in den Garten gekommen war meinte nun…“du, ich kann noch etwas bleiben, Gatterich und der Rasen, hmmm..hast du noch selbstgemachte Limonade da?


Selbstgemachte Limo:
Saft von 2 Bioorangen, vor dem Pressen die Schalen abraspeln und komplett in den Limoansatz geben, Rohrzucker nach Geschmack, Saft von 1 Biozitrone, etwas Schale mit in die Limo geben, 3-4 Stängel frische Minze.

Alles zunächst mit 1/2 l heißem Wasser übergießen, umrühren und 10 min ziehen lassen. Über feinem Sieb abgießen,  es geht auch ein Teefilter, dann geklärten Ansatz mit kaltem Wasser, gern Mineralwasser mit Kohlensäure und Eiswürfeln nach Geschmack verdünnen.

Foto: Dr. Birger Hahnemann

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