Neulich auf dem Markt: Garten gießen – ich doch nicht!

Geplapper über bunte Natur dank Permakultur

Johanna: Ich bin jetzt schon früh morgens zum ersten Mal geschafft, denn noch vor dem Markt musste ich den Garten gießen. Alles ist knacktrocken. Am besten, ich pflanze demnächst Kakteen an. Und heute Abend, wenn ich nach Hause komme, geht das Ganze wieder von vorn los.

Annina: Ich habe in diesem Jahr noch keinen Garten gegossen.

Johanna: Jetzt verarschst du mich aber nach Strich und Faden. Ich kenne deinen Garten: Der ist grün, bunt, wild und voller verschiedener Arten.    

Annina: Danke für das Kompliment, aber der eine oder andere sagt übern Zaun „ungepflegt“ und „Unkrautwildnis“ dazu. Weißt du, Johanna, ich beschäftige mich schon geraume Zeit mit den Auswirkungen der trockenen Sommer auf unsere Gärten, gilt unsere Ecke doch als eine der regenärmsten in Brandenburg. Immer mehr Gießen erschien mir nie als Alternative, besonders dann nicht, wenn das kostbare Trinkwasser verwendet wird. Dazu noch die fallenden Grundwasserspiegel, da wird mir gruselig, wenn nebenan jeden Tag der Rasensprenger läuft.

Johanna: Aber die Pflanzen sichern unser Leben.

Annina: Gerade deshalb. Ich habe viel experimentiert, viel gelesen, viel mit Leuten gesprochen, die das Thema genauso umtreibt wie mich. Bei den Recherchen stieß ich auf „Permakultur“. Schon mal gehört?

Johanna: Nö.

Sorge um die Erde, die Menschen und die Zukunft

Annina: Dabei sind die Grundsätze schon über 50 Jahre alt, aber heute angesichts der Klimaveränderung bei uns aktueller denn je. Inzwischen habe ich mich eingelesen, viel über das Wissen und die Erfahrungen verschiedenster Leute von religiös motivierten Menschen über pragmatische Landwirte bis hin zu sachlich-wissenschaftlichen Gartenbautechnikern herausgefunden. Interessiert dich das?

Johanna: Na ja, wenn’s nicht zu theoretisch wird. Manchmal erschlägst du mich mit deinen Vorträgen.

Annina: OK, Permakultur umfasst eine ganzes Wertesystem, in dessen Mittelpunkt die Sorge um die Erde, die Menschen und die Zukunft steht. Ich picke mir jetzt aber nur das heraus, was mir hilft, meinen Garten sommerfest zu machen.

Johanna: Dann fange mal schnell an, meine Pause geht nicht ewig. Und wissen will ich das schon.

Annina: Permakultur ist eine nachhaltige Anbauweise, die die Kreisläufe in der Natur an allen Stellen berücksichtigt. Der Boden bekommt die Möglichkeit, sich in Ruhe zu regenerieren. Alle biologischen Stoffe werden kompostiert, um den Humusgehalt des Bodens zu erhöhen. Ein humusreicher Boden verwertet die Nährstoffe besser, verkraftet sowohl Starkregen als auch Trockenheit besser. Es gehört noch viel mehr dazu, aber das kannst du ja mal in Ruhe nachlesen.   

Viele einfache Dinge ergeben einen grünen, gesunden, fruchtbaren Garten

Johanna: Und was hast du nun gemacht? Kompost gedeiht bei dir doch schon immer. 

Annina: Ja, das stärkt die Pflanzen, deswegen brauche ich auch keine Pestizide. Aber ich mache noch mehr. Kein Stück Boden ist bei mir unbedeckt, habe Laubbäume gepflanzt für Schatten, Grasschnitt kommt unter die Rosen. Die Pflanzgruben hebe ich tief aus. Zum Kompost kommt die Holzkohle vom letzten Grillen, denn die wirkt wie ein Schwamm und bindet Mineralien und Regenwasser. Ich gebe Urgesteinsmehl zum Sandboden, um Wasser im Boden zu binden, um den Pflanzen das Anwachsen zu erleichtern. Es sind viele einfache Dinge, die in ihrer Summe einen grünen, gesunden, fruchtbaren Garten gedeihen lassen. Schau dir den Standort genau an und suche die Pflanzen dazu passend aus, nimm heimische, die passen zum Boden, räum den Garten im Herbst nicht auf.

Johanna: Danke erst mal. Ich denke, ich werde mir – da bin ich ganz altmodisch – ein Buch darüber kaufen. Kannst du eins empfehlen? 

Annina: Ja, „Permakultur im Hausgarten“ von Jonas Gampe. Der ist Gartenbautechniker. Da gibt es jede Menge praktischer Tipps und den Bericht über ein Experiment: Der Autor hat seiner Gemeinde ein Stück ziemlich abgewirtschafteten Boden abgenommen und begonnen, diesen nach den Richtlinien der Permakultur zu bewirtschaften. Das begann mit dem Pflanzen von Bäumen und Büschen. Nach dem Mähen haben sie das Heu aufgeschichtet und einfach liegenlassen. Im Jahr darauf haben sie begonnen, auf diesem Boden Pflanzen einzusetzen. Die Ernten waren schon im ersten Jahr vielversprechend. Dieses Experiment haben sie zehn Jahre geführt und immer wieder dokumentiert, was passiert ist. Da geht es um Totholzecken, Sonnen- und Schattenplätze, Etagenbeete, die Reihenfolge der Pflanzen, … Musst du selber lesen.

Aber nun müssen wir! Der Marktstand ruft! Lass uns den Stadtbewohnern die Ergebnisse unsere Hände Arbeit nahe bringen und einen schmalen Taler mit nach Hause bringen …

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